Reisefieber - Irland 10
Sonntag 21.12.2008
Heute haben wir alle sehr lange geschlafen und erst recht spät gefrühstückt. Was soll´s, ist ja Sonntag und außerdem haben wir Urlaub.
Am frühen Nachmittag steigen wir vier ins Auto, weil die Kinder uns eine kleine Auswahl der Strände zeigen wollen, die hier massenhaft zu finden sind, schließlich leben sie auf einer kleinen Landzunge, die direkt ins Meer reicht.
Zuerst kommen wir an der Baginbun Bay an. Hier steigen wir aus, um ein paar Fotos zu machen:

Ich bin angenehm überrascht von diesem herrlichen langen weißen Strand mit wenig Dünung aber grünen Hängen und kleinen Felsen. So idyllisch habe ich mir das nicht vorstellen können und ich glaube, im Sommer muß es hier wunderschön sein.

Ein paar Steinchen und Muscheln landen in den Jackentaschen und weil es hier am Meer heute ziemlich frisch ist, steigen wir bald wieder ins Auto.
Weiter geht die Fahrt zur Carnivan Bay. Hier bietet sich uns ein total anderes Bild von Küste und Strand. Hohe felsige Wände steigen vom sandigen und felsbrockenübersäten Strand auf.

Eine echt steife Brise läßt uns den Wind gehörig um die Ohren pfeifen. Die Brandung der irischen See schäumt, kocht und brodelt recht ordentlich.

Wir stapfen mit hochgeschlagenem Mantelkragen und über die Ohren gezogenen Mützen durch den Sand,


da spazieren zwei Surfer mit ihren Brettern in die tobenden Fluten,

als wäre das zu dieser Jahreszeit, bei diesen Temperaturen und an dieser Stelle das Selbstverständlichste der Welt - unglaublich! “Sind wir solche Weicheier?” fragen wir uns, aber da sehen wir den dritten der Surfergruppe. Er hat es sich wohl lieber im wärmenden Kleinbus gemütlich gemacht. Wir vermuten, dass er der “Sicherheitsbeauftragte” dieser abgehärteten Clique ist. Und wir vier haben uns nach kurzer Fotozession dann auch lieber schnell in das wärmende und vor Wind schützende Blechmobil begeben und sind weiter gefahren Richtung Lofteshall.
Lofteshall ist ein herrschaftliches altes Gebäude, welches weitläufig absolut abgesperrt ist, weil dort wohl in der Vergangenheit viele Schäden durch Randalierer enstanden sein sollen. Angeblich ist das zur Zeit leerstehende Gebäude verkauft worden und jetzt machen verschiedenste Gerüchte über die Zukunft von Lofteshall die Runde. Niemand weiß wirklich, was Sache ist, jeder vermutet etwas anderes. Wahr ist aber, dass es über die Historie von Lofteshall überlieferte, interessante und phantastische, zum Teil recht gruselige Geschichten gibt; u. a. warum es dort an ein- und derselben Stelle seit ewigen Zeiten reinregnet, obwohl zwischenzeitlich das Haus total abgerissen und neu wieder aufgebaut wurde. So viel verrate ich hier schon mal: der Teufel war leibhaftig in diesem Haus zu Gast und die Tochter des Hauses hat ihn beim Karten spielen enttarnt und dann … und nun spukt es hier heute noch!
Nicht sehr weit von Lofteshall entfernt steht der älteste heute noch aktiv funktionierende Leuchtturm der Welt? Europas? (In jedem Reiseführer steht es anders.) Hook Head, den wollen wir uns natürlich einmal aus der Nähe betrachten:

Kurz vor dem Erreichen des Turmes warnen uns Hinweisschilder vor “Blow Holes” und einige Stellen der Straße und des Küstenstreifens sind voll mit Meerschaum. Das sieht lustig aus, so als wäre eine riesige Waschmaschine übergeschäumt und hätte lauter Seifenblasen über den grünen Grasteppich verteilt. Klar, dass wir auch hier fotografieren wollen. Am Klippenrand spüren wir den Wind bereits mächtig, obwohl wir noch im Auto sitzen. Also Jacken und Mäntel hochgeschlossen und Mützen und Kapuzen tief ins Gesicht gezogen un dann nichts wie raus und gegen den Sturm stemmen. Weil man aber stets die eigene Standfestigkeit gegen diesen starken Wind ausgleichen muß, findet man kaum eine ruhige Hand zum Abdrücken des Auslösers an der Kamera. Entweder habe ich jetzt den “schiefen” Hook Head oder das Bild ist total verwackelt. Wir werden sehen. Nach ein paar Fotoversuchen haben wir uns alle fix wieder ins Auto gerettet. Jetzt sind wir komplett durchgepustet und verfroren.

Auf dem weiteren Weg Richtung Templetown entdecken wir ein einladendes Lokal “Templars Inn” und entschliessen uns kurzerhand hier einzukehren um uns mit heißer Schokolade wieder aufzuwärmen. Gesagt, getan! Das Gasthaus ist bis in den hintersten Winkel weihnachtlich geschmückt und sogar die Wirtin selbst trägt einen Pullover mit einem eingestrickten Weihnachtsmann. Das heiße Getränk und der flackernde wärmende Kamin lassen unsere Lebensgeister wieder munter werden, aber draußen beginnt es schon wieder zu dunkeln. Na ja, die Tage sind eben kurz im Dezember.
Nach dieser Aufwärmphase beschliessen wir wegen Tageslichtmangel die Heimreise anzutreten. Dort angekommen serviert Maike uns in kürzester Zeit ein leckeres Risotto mit schmackhaften Bratenfleisch, natürlich zubereitet auf und im AGA-Cooker. Köstlich! Es mundet uns allen wieder einmal vorzüglich.