Generation Herbst

Alltagsszenen ab 58 plus

Reisefieber - Irland 9

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Freizeit — Dora um 12:29 am am Freitag, Januar 2, 2009

Samstag 20.12.2008

So gegen Mittag scheint die Sonne wunderbar in die Burg, es ist windstill und sehr mild (11 Grad), so dass wir beiden “Touris” beschliessen, einen ordentlichen Spaziergang zu unternehmen. Wir zwei marschieren mutig und munter los und hoffen einen recht langen Rundweg um die Burg zu finden. Nach einer kurzen Strecke auf der Straße finden wir eine Abzweigung, hier verläuft eine wahrscheinlich überwiegend von landwirtschaftlichen Fahrzeugen und sehr wenigen Anliegern genutzte Straße (eher asphaltierter Weg); recht schmal mit den üblichen Begrenzungen, selbstverständlich ist hier kein! Bürgersteig vorhanden, dafür aber hin und wieder breite mit Gras bewachsene Bermen.

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Und tatsächlich müssen wir schon mal tief in die matschigen Graskanten hüpfen, wenn uns ein Fahrzeug (überwiegend große landwirtschaftliche Maschinen) entgegenkommt oder überholt. Die Fahrer bedanken sich jedes Mal für unser Ausweichmanöver und zwar ausnahmslos. Wir fragen uns, ob das bei uns zu Hause auch so wäre?

Unterwegs begegnet uns Claire, die uns wie alte Bekannte begrüßt und ins Gespräch verwickelt, Komplimente macht und ihre verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Verflechtungen erklärt. Sie fragt uns auch, ob wir denn gestern abend das Konzert besucht hätten und wie es uns gefallen hat. Auch wir geizen nicht mit freundlichen Worten und stellen fest, wie herzlich und offen die Menschen hier auf dem Land sind. Wohl möglich, dass es daran liegt, das Kontakte mit anderen in dieser dünn besiedelten Gegend nicht ununterbrochen stattfinden können. Die Leute wohnen ziemlich weit voneinander entfernt und rennen sich nicht gegenseitig die Türen ein oder beobachten sich von Fenster zu Fenster. Claire ist übrigens ein Mitglied der Pike-Singers und wir haben sie gestern abend beim Konzert im Chor schon wahrgenommen.

Der eingeschlagene Weg kommt uns endlos lang vor und wir überlegen schon, ob wir nicht wieder umkehren sollten. Doch irgendwie ist es auch schön hier und die vielen Biegungen machen einen immer wieder neugierig, was denn wohl hinter der nächsten Kurve zu sehen ist. Also gehen wir weiter und weiter. Vorbei geht es an unendlich vielen Weiden (ohne Schafe! aber zwei mal Pferde! ), Tannenschonungen und gepflügten Feldern bis - na endlich, nach über einer Stunde Fußmarsch - an eine Kreuzung. Hier biegen wir rechts ab (wegen der Orientierung) und was entdecken wir? Ein Häuschen im Grünen mit kleiner Windmühle im Vorgarten, Pinien und Palmen.

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Und am Ende dieses Weges gelangen wir wieder an die Straße, die zur Burg führt, nur jetzt von der anderen Seite. Übrigens ist die Burg quasi von hinten nicht ein einziges Mal zu sehen gewesen, weil sie von sehr hohen Bäumen umsäumt ist. Nur wenn man genau weiß wo sie verborgen ist, kann man die Dachzinnen aus der Ferne erahnen. An der Straße zur Burg sind wir artig rechts gelaufen (auch hier fehlt ein Bürgersteig) und nicht wie in Deutschland auf der linken Seite, um dem entgegenkommenden Verkehr besser ausweichen zu können. Auf dem letzten Ende der Strecke fragen wir einen Herrn vorsichtshalber nach dem rechten Weg, weil uns dieser Straßenabschnitt wenig bekannt vorkommt. Bisher sind wir hier nur in der Dunkelheit durchgefahren. Aber er versichert uns, dass wir die Burg in 400 yards erreichen und wünscht uns noch viel Vergnügen beim Weitergehen. Zu Hause wieder angekommen, staunen wir nicht schlecht, denn immerhin sind wir zweieinhalb Stunden unterwegs gewesen und unsere Kinder hatten uns schon auf die Vermisstenliste gesetzt.

Zum Abend habe ich mich wieder freiwillig zum Kochen an den AGA-Cooker gestellt und einen knusprigen Schinkenbraten gezaubert. Wie kann es bloß angehen, dass das Fleisch, in diesem Gerät zubereitet, so zart und saftig bleibt. Es gelingt mir ohne großartiges Zutun eine delikate schmackhafte Mahlzeit zu zaubern. Einfach toll so ein Cooker, er animiert einen förmlich zum Kochen und Backen.

Nach dem Abendessen haben wir den Tag gemütlich vor Kaminfeuer und bei Kerzenschein ausklingen lassen. Ach ja, der Tannenbaum ist heute Mittag geliefert worden. Unsere Schwiegertochter hat sich wirklich ein prächtiges Exemplar ausgesucht. Unser Sohn meinte, er würde den Baum hinten im rechten Winkel zurecht stutzen. So würde der Baum platzsparend in die Wohnzimmerecke passen und von vorn trotzdem wunderschön aussehen. Wozu hätte er sonst wohl die neue Säge gekauft?!

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