Reisefieber - Irland 8
Freitag 19.12.2008
Dolores vom Blumenladen hatte uns ja am Dienstag den Tipp vom Basar in Ramsgrange gegeben. Heute vormittag fahren wir (Maike, Aldo und Dora) dort hin. Der winzige und übersichtliche Ort ist dank des Navis schnell gefunden, aber von einem Basar ist weit und breit nichts zu sehen, auch kein Hinweisschild. Eine junge Frau kann uns den Weg zum Ort des Geschehens aber erklären. Der Basar findet in einem kirchenähnlichen alten Gebäude, wahrscheinlich das Gemeindehaus, in einem kleinen Saal statt. Eine vor dem Eingang rauchende Person lädt uns gleich ein, doch einzutreten und den Basar zu besuchen. Die Angebote reichen von Weihnachtsgestecken bis zum aussortiertem Joop-Herren-Parfüm (vielleicht von jemandem gespendet, der den Duft nicht ausstehen kann, weil es ihn an seinen Konkurrenten erinnert?!). Es gibt selbstgebackenen Kuchen, Tee, Kaffee und sogar eine Lotterie. Der erste Preis ist ein riesiger Freßkorb. Wir kaufen artig drei Lose für fünf Euro und Maike trägt unsere Telefonnummern in eine Liste ein. Wir warten mal ab, ob wir wegen eines Gewinnes angerufen werden. Der gute Zweck war diese Spende schon wert. Die Veranstalter engagieren sich stark für die sozialen Angelegenheiten der ansässigen Bevölkerung. Nach einer Tasse Kaffee und einem Stück apple-pie mit viel Sahne unterhalten wir uns mit einigen anderen Besuchern und ich freue mich wie ein Stint, meine stümperhaften Englischbrocken anwenden zu dürfen. Ein Herr erzählt mir stolz, dass er fünf Söhne und drei Töchter hat und stellt mir seine Herzdame vor als ich mich gerade mit einer jungen Mutter unterhalte, die ihr zwölf Wochen altes Baby in den Kinderwagen legt. Auch Maike und Aldo sind in Gesprächen vertieft und wir haben alle drei überhaupt nicht das Gefühl, Fremde zu sein. Zum guten Schluß kauft Maike noch ein selbstgemachtes Kürbis-Chutney und einen weihnachtlich bebastelten Holzscheit und dann machen wir uns wieder auf den Weg nach Dungulph Castle.

Zum Abend habe ich das erste Mal auf und in dem AGA-Cooker ein Essen zubereitet. Es gibt gebratene Hähnchen mit Bratkartoffeln und Pastinaken. Mmmh, sind die Flattertiere knusprig, saftig und lecker gebruzzelt. Es schmeckt uns allen prima.
Um 20.00 Uhr haben wir vier ein Konzert der Pike-Singers verbunden mit der Vorlesung der Weihnachtsgeschichte in der St. Mogue`s Church in Fethard on Sea besucht. Beim Eintreffen auf dem Parkplatz bin ich denn auch prompt in einen richtigen Fettnapf getreten. Ein weiterer Gast meinte zu mir beim Aussteigen aus dem Auto: “I hope, that you will not be disappointet!” Ich habe das nicht richtig verstanden und kann mit dem Wort disappointet nichts anfangen, will aber höflich sein und antworte: “Yes, I think so…”, und meine Kinder bekommen einen Lachkrampf. Total erschrocken frage ich die beiden nach der Bedeutung und sie erklären mir das - ei, wie blamabel und peinlich! Aber da muß man wohl durch, wenn man nur dürftige Englischkenntnisse vorweisen kann. Kopf hoch und weiter - üben, üben, üben und drüber stehen.
Die Kirche ist, wie bei uns zu Hause und überall auf der Welt zu Weihnachten, bis auf den letzten Platz besetzt, weil eben etwas besonderes geboten wird. Die Pastorin gibt zum Abschluß der Veranstaltung dann auch die obligatorische Bemerkung von sich, dass sie sich einen derartigen Andrang jeden Sonntag beim normalen Gottesdienst wünschen würde. Das Konzert hat uns gut gefallen, besonders beeindruckt sind wir von der Stimme der Solo Sängerin.
Nach dem Konzert sind alle Gäste eingeladen zu Tee, Kaffee und anderen Erfrischungen (sogar Coke gibt es hier), Kuchen und Schnittchen. Die ebenfalls anwesende Vermieterin unserer Kinder hat die beiden vielen Einheimischen vorgestellt, d. h. jetzt kennen die meisten Leute aus dem Dorf und der näheren Umgebung die neuen Bewohner von Dungulph Castle.
Bereits in der Kirche haben mein Mann und ich eine nette Unterhaltung mit einem Ehepaar, dass direkt vor uns sitzt. Miteinander haben wir festgestellt, dass überall auf der Welt die Hausfrau das Sagen hat, auch wenn der Mann die Hosen anhat. Soll heißen, ich habe meinen obigen Fettnapf gleich wieder verdrängt und munter drauf los geplappert. Und wenn es jetzt einen weiteren gegeben haben sollte, habe ich ihn wenigstens nicht bemerkt…