Generation Herbst

Alltagsszenen ab 58 plus

Reisefieber - Irland 3

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Freizeit, Mitmenschliches — Dora um 3:50 pm am Montag, Dezember 29, 2008

Montag - 15.12.2008

In der Wartehalle vor dem Abflug in Bremen habe ich einen älteren Herrn kennen gelernt, der mich fragte, warum wir denn im Urlaub ausgerechnet nach Dublin fliegen wollten. Es sei mit Abstand die häßlichste Stadt, die er je kennengelernt hätte. Seit circa drei Jahren wäre er regelmäßig dort und würde seiner neuen Arbeit nachgehen. Er verstände nicht, wie man sich ausgerechnet Irland anschauen möchte, wo es doch nur freilaufende Schafe, flaches, weites, grünes und einsames Land mit kaum abwechslungsreicher Vegetation und noch weniger Bevölkerung als Schafe gäbe. Er erzählte weiter, er sei seit fünf Jahren Rentner. Weil er sich zwei Jahre lang nur mit seiner Gattin herumgestritten hatte, denn seit dem Rentnerdasein hatte er keine sinnvolle Aufgabe für sich in seiner vielen Freizeit gefunden, hatte er sich einen neuen Job gesucht. Er betreut und unterstützt seitdem, überwiegend in Irland, aber auch in anderen Ländern, Mitarbeiter einer großen deutschen Prüffirma. Er hat, so wie er sagt, an verschiedensten Orten Europas eine Bleibe und kennt Länder und Leute. Er meinte auch, wenn wir Irland gesehen hätten, könnten wir uns Reisen nach Schottland und Australien ersparen. Überall wo die Engländer jemals das Zepter in der Hand gehabt hätten und sich in die Regierungen des jeweiligen Landes eingemischt hätten, sähe es gleich aus: nur von freilaufenden Schafen abgenagtes Land ohne Wald aber mit jeder Menge Abgrenzungen durch Steinwälle. - Na, der Mann jat uns ja richtig Mut gemacht! Aber als er weiter fragte, ob wir denn die ganze Zeit in Dublin verbringen wollten und wir ihm erzählten, dass wir die Kinder in Dungulph Castle besuchen möchten, mußte er zugeben, dass das die schönste und interessanteste Ecke der Insel sei.

Und in der Tat, wir finden die Gegend hier erstaunlich schön und sehr abwechslungsreich trotz Schafe, Hecken und Steinwällen.

Aber wir haben auch nicht so eine pessimistische Lebenseinstellung wie dieser Mensch.

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