Generation Herbst

Alltagsszenen ab 58 plus

Ungeliebt - warum?

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Mitmenschliches — Dora um 11:06 pm am Donnerstag, Dezember 4, 2008

Bei Tieren kennt man sowas und begründet das mit Instinkt oder fehlendem Bewußtsein, wenn diese ihre Kinder aus dem Nest werfen oder sogar auffressen. Der Rauswurf ist spätestens dann auch begründet, wenn die Brut reif genug ist, für das Futter selbst zu sorgen. Dennoch gibt es viele hochentwickelte Tierarten, die weiterhin in der Gemeinschaft für Nahrung und Sicherheit sorgen und dabei ihre jungen und alten Artgenossen mit Respekt behandeln. Aber bei Menschen kann ich mir absolut nicht erklären, warum sie sich nicht für ihre Nachkommen interessieren bzw. ihr Dasein ignorieren, ablehnen oder vernichten. Täglich werden Kinder mißhandelt, seelisch und oder körperlich, und oft sogar grausam umgebracht. Schaut man sich die Kinder dieser Welt an, kann ich für meinen Teil nicht umhin, diese kleinen zarten und zerbrechlichen Wesen zu bestaunen und zu bewundern. Beobachtet man ein Kind in seiner Entwicklung, kann man besonders feststellen, wie schnell es wächst, begreift, spielend lernt, die Dinge der Welt erfährt und seine eigenen Schlüsse daraus zieht. Kinder sind für mich einfach überaus liebenswerte Geschöpfe, die man auch so behandeln sollte. Sie sind unsere Zukunft, was wir ihnen bei ihrer Entwicklung antun, spiegelt sich in ihrem Erwachsenenleben und ihrem Verhalten uns Alten gegenüber wider. Bis auf wenige Ausnahmen bin ich davon überzeugt.
Kürzlich konnte ich in der Stadt auf einem Parkplatz eine Mutter mit einem kleinen Schuljungen beobachten. Der Junge lief etwa fünf Meter hinter seiner Mutter her, schwer bepackt mit Schulranzen und Beutel, verzog schmerzlich sein Gesicht und kämpfte sichtlich mit den aufkommenden Tränen als die Frau sich umdrehte und ihn anschrie. Das kleine Gesicht verzerrte sich zusehends und seine Mutter packte ihn an seine Schulter und übergoß ihn förmlich mit ihrem lauten Geschimpfe. Wenn es ein Problem gab, frage ich mich, warum konnte diese Frau sich nicht zu dem Jungen herunterbeugen und mit ihm in normalem Ton die Sachlage klären? War dies jetzt für die beiden eine außergewöhnliche Situation oder Tagesordnung? Ein einmaliger Ausrutscher der Mutter, weil sie irgendwie überlastet war? Für solches Verhalten habe ich kein Verständnis, kann mich jedoch nicht ganz von eigener Schuld freisprechen, denn ich bin auch schon mal mit den Nerven zu Fuß gewesen und habe mich falsch verhalten. Ich glaube, wenn aber ein Kind ständig einem derartig negativen Milieu ausgesetzt ist, kann es sich später nur mit Egoismus und Aggression wehren. Das kann doch nicht das Ziel einer soliden Erziehung sein. Da bleiben Liebe und Verständnis für Mitmenschen absolut auf der Strecke und das Kind hat darunter zu leiden. So ein kleines Wesen hat keine Chance, die schönen Seiten des Lebens richtig kennen zu lernen. Bleibt nur zu hoffen, das es bei anderen nahe stehenden Personen die bessere Seite der Mitmenschlichkeit erleben darf. Leider war ich in der oben beschriebenen Situation zu feige, um der Frau zu sagen, wie sehr mich ihr Verhalten dem Kind gegenüber schockierte. Das tut mir heute noch leid.
In meinem eigenen Dunstkreis ist es leider nicht viel besser. Ich kenne eine alte verwitwete Dame, die sich überhaupt nicht für ihre Kinder, Enkel und Urenkel interessiert. Als ihre Kinder klein waren, hat sie sich zwar um das körperliche Wohl ihrer Nachkommen gekümmert, aber die seelischen Bedürfnisse wurden ziemlich außer Acht gelassen. Sie wurden zu Hause sehr streng erzogen mit tausend Verboten, Hausarresten und Bestrafungen. Selbstwertgefühl konnten sie eigentlich erst in der Berufsausbildung erfahren. Zum selbständigen Denken und verantwortungsvollem Handeln bekamen sie im Elternhaus kaum Gelegenheit wegen ständiger Vorschriften und Verboten. Zum Glück haben die Kinder ihr Leben trotzdem gut in den Griff bekommen und ihre eigenen Familien gegründet. Vielleicht waren ihre Eltern besonders ängstlich oder verunsichert und haben deshalb eine überhöhte Vorsicht walten lassen und sie dadurch überbehütet? Das kann ich beim besten Willen nicht beurteilen. Aber ich weiß, dass diese Kinder es in ihrer jugendlichen Sturm- und Drangzeit nicht leicht hatten und auf manche Freuden verzichten mussten. Wofür ich aber gar kein Verständnis habe ist die Tatsache, dass die Großeltern den Kontakt zu ihren Enkelkindern äußerst knapp gehalten haben. Nur an den Pflichtfeiertagen (Weihnachten und Geburtstage) haben sie die jungen Leute bedacht, aber auch nur solange, bis sie 18 Jahre alt wurden, danach  war jegliches Interesse erloschen und es herrschte Funkstille zwischen Großeltern und Enkeln. Hin und wieder bemühten sich die Enkel um eine Beziehungspflege, fühlten sich aber in ihren Bemühungen um den persönlichen Verkehr mit Opa und Oma nicht unbedingt gefordert. So sind die familiären Bande zerrissen.

Inzwischen gibt es niedliche kleine Urenkel. Aber auch daran ist die seit einigen Jahren verwitwete alte Dame nicht interessiert. Ich frage mich, wie das möglich ist, wo doch in jedem kleinen Abkömmling immer mindestens ein winziges Teilchen von einem selbst steckt. Solche kleinen wunderbaren Geschöpfe muss man einfach lieben, hegen und pflegen und sie unterstützen, sich positiv zu verantwortungsvollen, selbständigen und liebenswerten und -fähigen Erwachsenen zu entwickeln. Und so finde ich es erstaunlich und wunderschön, dass sich alle in der Familie mögen, lieben oder zumindest respektieren. Nur die alte Dame vereinsamt trotz regelmäßiger aber kurzer Besuche durch ihre Kinder immer mehr, weil sie “ihnen nicht zur Last liegen will!”. Sie ist eigentlich in vielen Dingen des täglichen Lebens auf Hilfe angewiesen. Die nimmt sie von ihren Kindern möglichst nicht in Anspruch, obwohl diese das trotz allem gern für ihre Mutter tun würden. Das stimmt mich ein wenig traurig, aber Liebe kann man eben nicht erzwingen.

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI

Einen Kommentar hinterlassen

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>