Schicksale
Im Kreise meines unmittelbaren Umfeldes muß ich gerade erleben, was es bedeutet, alt und krank zu sein. Zwei liebenswerte Menschen verfallen von Tag zu Tag mehr, gekennzeichnet durch ihre Krankheiten. Der eine ist durch ein körperliches Gebrechen innerhalb weniger Wochen vom großen, kräftigen und lebenslustigen Menschen zu einem kläglichen Häufchen Elend ausgezerrt und kraftlos geworden, der andere verliert nach und nach seine Menschenwürde und Selbstbestimmung durch Orientierungslosigkeit und Vergeßlichkeit. Wie verletzlich und endlich ein Menschenleben ist, wird mir hier gerade täglich aufgezeigt. Und ich empfinde dabei eine ausgeprägte Hilflosigkeit und Traurigkeit.
Erst vor ein paar Tagen habe ich noch darüber nachgedacht, wievielem Streß ich doch zur Zeit ausgesetzt bin. Vor lauter Arbeiten hatte ich mich selbst ganz vergessen und persönlich wichtige Termine verpaßt. Ich habe mir fest vorgenommen, etwas netter zu mir selbst zu sein, damit es mir gut geht. Denn nur dann kann ich auch meinen Mitmenschen eine Stütze sein. Es ist völlig sinnlos, sich selbst immer wieder zurückzunehmen. Das kann krank machen und hilft niemandem.
Und gerade jetzt, wo ich die beiden kranken Menschen in meinem Umfeld erlebe, wird mir besonders deutlich, wie wichtig es ist, jetzt und hier das Leben angenehm zu gestalten, mit allen Sinnen zu erfassen, jeden Augenblick zu geniessen und jede Sekunde als Geschenk anzunehmen.