Generation Herbst

Alltagsszenen ab 58 plus

Gesetzlich verordneter Schlafentzug

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Mitmenschliches — Dora um 8:22 pm am Montag, März 31, 2008

Es ist einfach grauenhaft, daß ich seit vergangenem Sonntag meinen Tagesablauf nur unter Gähnen und Augenwischen bewältigen kann. Diese eine Nachtstunde, die man uns Mitteleuropäern gesetzlich verordnet entzogen hat, macht mir jedes Jahr auf´s Neue zu schaffen.

Mein natürlicher Lebensrhythmus ist eigentlich der einer sogenannten Eule (Nachtmensch). Selbst wenn ich mich nach der Uhrenumstellung an die vorgegebenen Uhrzeiten gewöhnt habe, benötige ich jeden Morgen mindestens eine Stunde Zeit, um wirklich aktiv und auch produktiv zu werden. Alles was ich in der ersten Stunde nach dem Aufstehen erledige, läuft automatisch ab, ohne das Gehirn großartig einzuschalten. Je später es wird, um so mehr fahre ich zu Hochleistungen auf. Jahrelang habe ich u. a. auch deswegen am liebsten nachts gearbeitet (nicht nur wegen der Zuschläge). Ich habe die sogenannten “toten Punkte”, die viele meiner Kollegen oder Kolleginnen hatten, nicht nachempfinden können. Es hat mir auch nichts ausgemacht, morgens, wenn alle anderen sich an ihr “Tagewerk” begaben, in mein kuscheliges Bett zu steigen. Tagsüber ließ ich mich ohne Qualen in den erholsamen Schlaf gleiten, ohne die geringsten Probleme. Auch heute noch - lange nach den Nachtschichten - komme ich auf die höchste Leistungskurve, je später es wird.

Weil mein Ehegesponst ein leidenschaftlicher Frühaufsteher ist, versuche ich schon, zumindest drei Stunden später als er (ca. gegen 8.00 Uhr) ansprechbar zu sein. Aber im Gegensatz zu ihm, der möglichst seinen täglichen Mittagsschlaf einhält, bin ich zum gleichen Zeitpunkt nicht fähig, mich dann auch mittags hinzulegen. Erstens könnte ich ja etwas “Wichtiges” verpassen und zweitens ist mir die Zeit viel zu schade, um sie zu verschlafen, vertrödeln oder zu verschenken. Im Herbst und Winter ist es ohnehin um 5.00 Uhr morgens noch dunkel und es passiert auch nichts weltbewegendes. Warum sollte ich also so früh aufstehen um mich mittags schon wieder zur Ruhe zu begeben? Bei seinem Tagesrhythmus ist er abends so ab 21.00 Uhr schon wieder müde und ich könnte dann erst so richtig loslegen! Ihm zuliebe gehen wir dann gemeinsam zwischen 22.00 Uhr und 23.00 Uhr zu Bett. Mir fallen dann die besten Ideen ein und ihm fallen die Augen zu. Manchmal überlege ich dann schon, ob ich nicht doch wieder aufstehen sollte um meine Ideen gleich in die Tat umzusetzen. Aber weil die Umsetzung nicht immer ganz geräuschlos vonstatten geht, lasse ich das lieber sein. Außerdem würde ich am nächsten Morgen noch schlechter die Kurve kriegen.

Wenn die Uhr im Herbst wieder umgestellt werden muß, wirkt das bei mir lediglich, wie Sonntags einmal eine Stunde länger schlafen (was ja auch den Tatsachen entspricht, denn ich stehe nicht wirklich deswegen um die gleiche Uhrzeit wie sonst auf). Aber als besonderes Geschenk kann ich die Stunde nicht betrachten. Sie hat keinerlei langfristige Auswirkungen für mich, im Gegensatz zum gesetzlich verordneten Schafentzug im Frühjahr, mit dem ich mindestens einen Monat lang zu kämpfen habe - und das alle Jahre wieder!

Verschluckte Bankunterlagen

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Mitmenschliches — Dora um 6:05 pm am Mittwoch, März 26, 2008

Nach längerer Zeit habe ich bei meiner Bank Kontoauszüge holen wollen. Im Vorraum, wo der Auszugsdrucker steht, war ziemlich viel Publikumsverkehr. Nach etlicher Wartezeit konnte ich endlich meine Bankkarte in den Automaten stecken. Der Drucker druckte und druckte und wollte gar nicht mehr aufhören. Ich wurde schon ein wenig ungeduldig, weil noch viele andere hinter mir herumdrängelten und das Gleiche wollten. Plötzlich wurde ich von einer jungen Frau angesprochen, ob ich ihr wohl einen Geldschein in Münzen wechseln könnte. Weil die Druckerei der Kontoauszüge noch in vollem Gange war, nahm ich mein Portemonnaie zur Hand um nachzuschauen, ob die Wechselei möglich sei. Ich suchte die Geldstücke zusammen und sie reichte mir ihren Schein dafür. Als ich dann meine Kontoauszüge dem Automaten entnehmen wollte - der Drucker war endlich verstummt - war nichts von ihnen zu sehen. Auch die Bankkarte war weg! Nun wurde ich doch ziemlich nervös und ärgerte mich maßlos, daß ich mich hatte ablenken lassen. Aufgeregt schaute ich mich nach allen Seiten um, durchwühlte meine Taschen, überlegte ob ich die Karte und die Auszüge vielleicht doch schon eingesteckt hatte, möglicherweise durch die Ablenkung mit der Geldwechselei an einer anderen Stelle als gewohnt - aber es war nichts zu finden. Die umherstehenden Leute im Vorraum meinten, ich sollte doch Ruhe bewahren und noch einmal ganz genau nachsehen, keiner von ihnen hätte ein Interesse daran, meine Bankkarte zu stehlen, es seien viel zu viele Zeugen dort und außerdem hätte ein Kartendieb bestimmt nicht die Kontoauszüge an sich genommen.

Eine Weile später, nachdem ich die Suche nach Karte und Auszügen aufgegeben hatte, meinte ein junger Mann: “Die Sachen sind bestimmt vom Automaten wieder eingezogen worden, weil Sie zu lange mit der Entnahme der Auszüge und der Karte gewartet haben. Das ist bestimmt beim Geldwechseln passiert. Bei einer anderen Bank hat der Automat schon einmal die Karte und das Geld meines Freundes verschluckt, weil der zu langsam war. Er hat alles am nächsten Tag am Schalter wieder bekommen.”

Es war Feierabend und das Wochenende stand bevor. Die Schalter der Bank waren bereits geschlossen. Mißmutig fuhr ich nach Hause und ließ vorsichtshalber telefonisch meine Bankkarte sperren. Am nächsten Werktag begab ich mich gleich morgens zur Bank. Eine freundliche Bankangestellte öffnete den Auszugsdrucker und händigte mir meine Kontoauszüge und die Bankkarte aus. Ich unterschrieb ein Formular zur Entsperrung meiner Karte. Die Angestellte erklärte mir noch, daß der Automat die Sachen sicherheitshalber nach 10 Sekunden einzieht.

Ich war nicht die einzige an diesem Wochenende, der es so ergangen war, noch drei weitere Karten und diverse Auszüge befanden sich an diesem Morgen im Auszugsdrucker. Eines weiß ich aber ganz bestimmt: Ich lasse mich nich wieder ablenken, wenn ich die Bankkarte in irgendeinen Automaten stecke!

Vergessene Töchter

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Pflege, Krankheiten, Mitmenschliches — Dora um 7:37 pm am Montag, März 24, 2008

Frau X traf vor einiger Zeit mit Frau Y aus beruflichen Gründen zusammen. Frau X meinte: “Irgendwie kommen Sie mir bekannt vor. Kann das angehen, dass wir uns schon einmal früher gesehen oder getroffen haben?” “Ganz bestimmt,” antwortete Frau Y “denn ich bin die Schwester von Ihrem ehemaligen Nachbarn, Herrn R.” “Na sowas, ich habe ja gar nicht gewußt, dass der eine Schwester hat” reagierte Frau X. “Eine?” sagte Frau Y, “nein sogar zwei, eine große und eine kleine Schwester.”

Zwei Wochen später traten beide Frauen wieder in Kontakt. Da fragte Frau X: “Sagen Sie mal, Frau Y, letzte Woche habe ich die Mutter von Herrn R. beim Kaffeekränzchen getroffen und sie nach ihren Kindern gefragt. Sie hat mir erzählt, dass sie nur einen Sohn und keine weiteren Kinder hat. Wer sind Sie denn jetzt wirklich?”

Frau Y blieb die Spucke weg. Seit fast einem Jahr betreut sie im Wechsel mit ihrer jüngeren Schwester die Mutter, weil diese Hilfe benötigt bei der Bewältigung etlicher Aktivitäten des täglichen Lebens. Der Bruder, Herr R. leistet mehr technische Hilfe im Haushalt der Mutter, wie Glühbirnen und Sicherungen auswechseln oder den Fernseher neu einzustellen.

 Als Frau Y ihrer “kleinen” Schwester ihr Erlebnis mit Frau X erzählte, meinte deren Mann zu ihr: “Glaub nicht, dass du dich jetzt vorm Kochen drücken kannst, nur weil es dich angeblich nicht gibt!” Das ist wohl die beste Art, die Tatsachen zu überspielen, wenn eine demente Mutter sich nicht mehr an ihre Kinder erinnert, die sich mehrmals wöchentlich um sie kümmern. Aber ein kleiner Schmerz bei den “vergessenen Töchtern” bleibt trotz allem Verständnis für die Krankheit der Mutter doch zurück.