Generation Herbst

Alltagsszenen ab 58 plus

Goldgrube

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Pflege — Herma um 12:45 pm am Freitag, Juni 15, 2007

Wenn ein Schwerstpflegebedürftiger zu Hause von seinen Angehörigen versorgt und betreut wird, ist das nicht immer ganz einfach - natürlich für beide Seiten. Manchmal ist es sogar besser, wenn Menschen im Heim untergebracht werden, nämlich, wenn die Verwandten dem Druck und den Aufgaben der Pflege nicht gewachsen sind. Es ist eben nicht jeder Person möglich, diesen Pflichten nachzukommen, sei es aus persönlichen oder fachlichen Gründen und das sollte auch so respektiert werden. Altenpflege, besonders im Bereich der Demenz, ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Wenn sich jemand zu Hause 24 Stunden 7 Tage die Woche um seine zu versorgende Person kümmern muß, hat der- oder diejenige kaum eine Chance, sich davon einmal zu erholen oder Abstand zu gewinnen. Anders ist es bei den professionell Pflegenden. Diese gehen nach ihrem Dienst nach Hause und können abschalten, um beim nächsten Mal wieder frisch und munter allen Bedürfnissen der zu Betreuenden gewachsen zu sein. Außerdem haben mache von ihnen ihre ganz persönliche Technik entwickelt, um auch schwierigste Situationen in den Griff zu bekommen und nett und freundlich jedwede Aufgabe zu meistern. So wie auch im folgenden Beispiel:

Am Sonntagabend bereits freute sich Schwester A auf ihre kommende Freiwoche, nur ein Nachtdienst stand ihr noch bevor. Aber die gesamten Nachtdienste in der vergangenen Woche waren recht normal verlaufen und so war sie guter Dinge, dass sie die letzte Nacht auch problemlos überstehen würde. So war es denn auch. Montag früh, kurz vor Dienstschluß führte sie noch die Grundpflege bei Frau B durch und schloß danach noch die Sondenkost bei der Bewohnerin an. Da trudelten auch schon die ersten Kollegen der Frühschicht ein. Die Dienstübergabe ging relativ flott vonstatten, denn es gab nichts Besonderes zu berichten, es war nichts Außergewöhnliches in der Nacht passiert. Schwester A wurde von den anderen Mitarbeitern verabschiedet, zog ihre Jacke an, griff nach der Türklinke und - hörte einen erbärmlichen Schrei. Sie machte sich auf, um nach dem Ort des Geschehens zu sehen, vielleicht brauchte ja noch jemand ihre Hilfe? Schwester C stand in der Tür von Frau B und rief ihr zu: “Fahr bitte zur Tankstelle und hol den Hochdruckreiniger!” Neugierig schaute Schwester A ins Zimmer. Was war geschehen? Frau B hatte sich selbst, das Bett, die Wand, den Nachtschrank, den Infusionsständer und alles was sie irgendwie erreichen konnte, über und über mit Kot beschmiert. “Na ja, dann noch fröhliches Schaffen und angenehmen Dienst … ” meinte Schwester A, bewegte sich in Richtung Ausgang und machte sich mit ganz viel Schwung und guten Mutes auf den Weg in ihre Freiwoche.

Wenn pflegende Angehörige das auch könnten, gäbe es mehr von ihnen.

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