Gedanken zum Muttertag
Als meine Kinder klein waren, habe ich genau so wie viele tausend andere Mütter, zu diesem gesetzlichen Ehrentag meine selbstgebastelten Geschenke (unter Anleitung von Kindergarten, Schule oder Oma) erhalten: liebevoll gestaltete Gemälde mit vielen Herzen, Blümchen, Sternen und strahlenden Sonnen, selbst gepflückten Blumensträußen und selbstgebastelten Dingen (vom Schlüsselanhänger mit Foto über Fliesen mit aufgedruckten Fingern bis zum geschnitzten Kochlöffel). Später war der Frühstückstisch hübsch gedeckt mit Kerzen und selbstgebackenen Herzchenkeksen und anderen lieben Aufmerksamkeiten. Aber auch zwischendurch bekam ich von den Kindern immer wieder kleine nette Überraschungen. Das Schlafzimmer war über und über tapeziert mit den vielen Bildern, die mir die Kinder als Liebeserklärung nicht nur zum Muttertag schenkten. Die eindrucksvollsten Dinge habe ich für alle Zeiten aufbewahrt und werde sie in Ehren halten. Sie erinnern mich an viele schöne Momente aus dieser Zeit.
Als die Kinder größer waren, haben meine Freundin und ich einmal die Familien am Muttertag sich selbst überlassen (natürlich nach vorheriger Ankündigung, Absprache und diversen Vorbereitungen) und einen Tagesausflug in einen nahen Kurort unternommen. Wir haben uns diese Auszeit gegönnt und sind bei herrlichstem Sonnenschein bummeln und Souvenirs kaufen gegangen, Tretboot gefahren, haben uns in einem feinen Restaurant mit Essen und Trinken verwöhnen lassen und einen Besuch in einer Galerie genossen. Mein Mitbringsel von der Muttertagstour ist eine Art Spieluhr in Form eines kleinen hölzernen Ehebettes mit zwei Holzpüppchen drin und mit Kurbel am Fußende, die die Melodie “Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da” erklingen läßt, wenn man daran dreht. Das Teil erinnert mich noch heute an den familienfreien Tag. Wir hatten uns damals ein Beispiel an den Vätern genommen, die ja darauf bestanden, den Vatertag mit ihren Kumpanen im Blauen ohne Familie zu genießen (wir Frauen konnten die geliebten Schnapsleichen und mutigen Helden dann anschließend wieder irgendwo einsammeln). Als emanzipierte Mütter wollten wir ihnen einmal zeigen, dass uns auch einmal so ein Tag zustünde. Die Väter hatten dafür sogar Verständnis und bekamen alles bestens zu Hause in den Griff. Für uns beiden Frauen war es ein wundervoller Tag. Einige Mütter aus unserem Bekanntenkreis haben uns damals für unseren Mut bewundert und waren wohl auch ein bißchen neidisch.
Aus dem offiziellen Muttertag mache ich mir persönlich bis heute nichts. Mein Mutterherz schmilzt heute noch dahin, wenn ich daran denke wie es war, wenn die Kinder früher auf meinem Schoß saßen, ihre kleinen Ärmchen um meinen Nacken schlangen, mir ein Küßchen gaben und ins Ohr flüsterten: “Mama, ich hab dich ganz doll lieb!” Bis heute habe ich zu meinen Kindern, ihren Familien und Freunden ein herzliches und kameradschaftliches Verhältnis und wünsche mir, dass das auch immer so bleibt. Meine Kinder sind ein Stück von mir selbst und entstanden aus einer lieben Beziehung. Auch wenn sie längst ihr eigenes Leben selbständig und verantwortungsvoll gestalten, lassen sie mich immer wieder daran teilhaben, das finde ich wunderbar. Ich bin der glücklichste Mensch, wenn sie hin und wieder mit ihren Lieben bei mir zu Besuch sind oder mich zumindest anrufen oder schreiben, um mich über den neuesten Stand der Lage zu informieren. Ich weiß auch, dass ich eine sogenannte Glucke bin, aber das Wort Glucke kommt von Glueck, nur dass das e ein wenig verrutscht ist.
Ich bin dankbar, dass ich Mutter von zwei wunderbaren Kindern sein darf. Sie machen mein Leben (abwechslungs-) reich und sinnvoll.