Generation Herbst

Alltagsszenen ab 58 plus

Rückenschmerzen

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Krankheiten, Mitmenschliches, Pflege — Dora um 4:50 pm am Mittwoch, Mai 9, 2007

In einer kleinen Notiz in unserer lokalen Tageszeitung vor ein paar Tagen war zu lesen, dass 11,3 Prozent an den durchschnittlichen Fehlzeiten der Niedersachsen durch Rückenleiden entstehen. Und einige Tage später gab es einen Artikel mit der Überschrift: “Die Deutschen haben´s im Kreuz - 70 Prozent klagen über Rückenschmerzen.”

Rückenschmerzen gelten seit Jahren als die Volkskrankheit Nummer eins. Das liegt daran, dass immer mehr Menschen sitzende Tätigkeiten ausüben und sich zu wenig körperlich betätigen. Neben genetischen Ursachen spielt wohl auch Übergewicht eine Rolle. Häufige Leiden sind Verspannungen im Schulter- und Nachenbereich, Hexenschuss im Lendenwirbelbereich oder Bandscheibenvorfälle. Sogar bei Kindern haben Rückenprobleme in den letzten Jahren zugenommen.

Ich weiß aus eigener Erfahrungen, wie sehr auch Streß bei Rückenleiden eine große Rolle spielt, sowohl bei körperlicher als auch seelischer Belastung. Besonders schlimm auf meine Schulter- und Nackenmuskulatur wirkte sich aus, wenn ich mich total überfordert fühlte, aber versuchte, dagegen anzuarbeiten . Je mehr ich versuchte, alles zu schaffen (was ich glaubte, dass man es von mir erwartete), um so schlimmer wurden die Schmerzen. Dabei war mir gar nicht bewußt, dass ich mich damit selbst überforderte. Die Schmerzen waren einfach die natürliche Bremse, die mich darauf aufmerksam machten, endlich einen Stopp einzulegen oder einen Schritt langsamer zu treten. Ein übriges tat dann noch mein eigenes Betreben zum Perfektionismus. Natürlich wollte ich alles total und hundertprozentig korrekt erledigen, auch unter Zeitdruck. Das ein Mensch kein Dauerbrenner ist, der ständig auf Hochtouren fährt, mußte ich dann plötzlich erleben, als ich eines Tages aus dem Bett aufstehen wollte, aber rein ganz und gar nichts mehr ging. Die Tränen sind nur so geflossen, weil die Schmerzen unerträglich waren. Das ich mich selbst kaputt gemacht hatte, darauf wäre ich zu dem Zeitpunkt nie gekommen. Sowohl im beruflichen wie auch im privaten Bereich waren damals über einen ziemlich langen Zeitraum viele belastende Situationen aufgetreten, so dass ich auch gar keine Zeit dazu hatte, über mein eigenes Schicksal nachzudenken. Eine persönliche Auszeit wäre gar nicht zu verwirklichen gewesen - so glaubte ich damals wenigstens. In meiner knapp bemessenen Zeit bin ich zum Arzt und zu den entsprechenden Therapien gegangen, und verstand überhaupt nicht, wieso alles nichts half sondern nur viel schlimmer wurde. Bis zu dem besagten Morgen, an dem gar nichts mehr ging.

Zwei lange Jahre hatte ich so ganz neben Beruf und Familienalltag an mir herumdoktern lassen, aber nichts änderte sich. Dann haben mich die Schmerzen in den zwischenzeitlichen Ruhestand gezwungen. Da ging der Streß erst richtig los, weil ich nicht mehr so funktionieren konnte wie ich doch wollte oder glaubte zu müssen. Von extremer Wut bis zur kläglichen Traurigkeit fiel ich von einer Stimmung in die andere und wußte nicht mehr weiter. Es hat lange gedauert, bis ich realisierte, dass die Welt sich trotzdem weiterdrehte, auch wenn ich nicht unmittelbar am Geschehen teilnahm. Für alle Probleme gab es - wie konnte das sein? - auch andere passable Lösungen. Wer hätte das gedacht?

Liebe Mitmenschen gaben mir den guten Rat, mich erst einmal auszukurieren und meinten, wenn es mir nicht gut ginge, könnte ich ohnehin niemandem helfen. Ich müßte lernen, auch einmal “Nein” zu sagen, und zwischendurch auch mal an mich selbst zu denken. Den Hang zum Perfektionismus dürfte ich ruhig ablegen, denn “nobody is perfect!” und “wo gehobelt wird, fallen auch mal Späne”. “Wo gearbeitet wird, passieren auch Fehler” und noch viele solcher Sprüche bekam ich zu hören. Bis ich die Bedeutung verinnerlicht hatte, ist einige Zeit ins Land gegangen. Aber ich habe mich letztendlich entschieden, meine Zeit und meine Kräfte vernünftiger einzuteilen. Das war anfangs zwar nicht einfach, aber ich habe es dann doch irgendwann geschafft, mich danach zu richten und siehe da - ich wurde wieder schmerzfrei.

Ab und zu vergesse ich die guten Ratschläge und gelange wieder in den früheren Trott. Aber sobald sich die ersten Schmerzanzeichen melden, weiß ich wieder, was zu tun ist. Seitdem geht es nicht nur mir, sondern auch allen in meinem Umfeld besser. Und das Schöne daran ist, ich bin überzeugt davon, daß ich viel mehr schaffe, nicht nur für andere. Ein gesunder Egoismus wirkt manchmal Wunder.

Noch zwei Hinweise von mir für Menschen mit Rückenschmerzen. Guckt doch mal die tollen Tipps an unter www.entspannend.net oder schaut mal nach unter www.fitnessonline.at/wissen/pilates/titel.htm . Pilates soll eine gute Methode sein, auch die tiefere Haltemuskulatur zu kräftigen. Am besten ist natürlich, die Übungen unter fachmännischer Anleitung durchzuführen.

2 Kommentare »

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Kommentar von Christoph

Juni 8, 2007 @ 10:46 am

*no spam*
Hi Dora,
ich kenn’ da noch eine andere Seite, auf der man sich in solchen Fällen informieren kann ;-)
Schau’ doch einfach mal ‘rein, vielleicht findest Du ja ein paar Anregungen und Informationen - das Archiv ist groß…
Gruß von den Bandscheiben
Christoph

8

Kommentar von Dora

Juni 8, 2007 @ 3:52 pm

Hallo Christoph, habe mir die Seite angesehen und fand es lohnenswert, sie als Link auf meine Seite zu integrieren. ich könnte mir vorstellen, dass einige meiner Leser/innen sich ebenfalls dafür interessieren. Übrigens habe ich bereits einige Büro-Übungen nach den Videos ausprobiert - nicht schlecht. Bei dem Video von youtube habe ich ständig darauf gewartet, dass die Wand nach hinten fällt. Das hat die ganze Sache spannend gemacht bis zum letzten Augenblick.
Erschöpften Gruß von Dora

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