Generation Herbst

Alltagsszenen ab 58 plus

Thema Mindestlohn im Presseclub

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Recht und Politik — Dora um 3:23 pm am Sonntag, Mai 6, 2007

Lang und breit wurde das Thema diskutiert von Journalisten, die meiner Meinung nach viel zu weit von der Situation der betroffenen Menschen entfernt sind. Wie fast jedesmal bei diesem Thema, wurde auch hier die ostdeutsche Friseuse erwähnt, die mit 3 Euro irgendwas brutto pro Stunde nach Hause geht. Eine Anruferin erwähnte dann zum Schluß noch einen Jungkoch mit 5 Jahren Berufserfahrung, der von seinem Arbeitgeber am Monatsende 500,00 Euro bekommt und mit 1000,00 Euro bezuschußt wird und aufgrund dessen sich der Unternehmer erlauben kann, ein weiteres Geschäft aufzumachen - auf Kosten der arbeitenden und zahlenden Bevölkerung?!

Schafft Mindestlohn Arbeitsstellen ab, weil viele Arbeitgeber dann kein Personal mehr bezahlen können? Verringern Sie deshalb die Anzahl des Personals? Oder erhöhen sie dann letztendlich doch die Löhne und Gehälter und holen die Kosten über höhere Preise wieder rein? Alle sprechen vom Service, doch die dienstleistenden Personen dürfen diese Leistung voll erbringen ohne einen entsprechenden Gegenwert dafür zu erhalten. Die Konkurrenz ist groß, wird m. E. aber durch solche Machenschaften, wie oben beschrieben, in einen Teufelskreis geführt, schafft eine Spirale ohne Ende. Denn immer mehr Menschen werden durch den Konkurrenzkampf (sowohl im Handel als auch bei den Arbeitenden) durch noch niedrige Preise und somit auch durch noch niedrigere Entlohnungen darunter zu leiden haben. Die kleinen und großen Leute, die noch Sozialabgaben und Steuern zahlen, finanzieren immer mehr Unternehen, die ohne diese Zusatzleistungen der Entgelte ihrer Angestellten gar keine Existenzberechtigung hätten. Logisch, daß dadurch der Konkurrenzkampf der Firmen um Niedrigpreise immer größer wird. Wie lange kann das noch gutgehen? Und wie wird das erst, wenn noch mehr spottbilliges Personal aus dem osteuropäischen Ausland auf unseren deutschen Arbeitsmarkt strebt?

Die “Geiz ist geil”-Mentalität der Käufer beruht doch u. a. auch darauf, daß viele Menschen trotz Vollzeitarbeit sich gar keine andere Alternative mehr leisten können. Der- oder diejenige Angestellte, die 5 Euro pro Stunde verdient (und davon kenne ich genug - auch gut ausgebildete Leute), muß z. B. 2 1/2 Stunden selbst arbeiten, um sich beim Friseur einen Trockenhaarschnitt für 12,50 Euro leisten zu können, der maximal 10 Minuten dauert. Wo bleibt hier die Verhältnismäßigkeit? Da waren die Tauschgeschäfte aus vorgeldlichen Zeiten wohl gerechter!

Dann wäre da noch die Frage der Selbstwertschätzung eines Menschen, der den ganzen Tag arbeitet und damit doch nicht ohne staatliche Zuschüsse seinen eigenen Lebensunterhalt bestreiten, bzw. einer Familie Nahrung, Kleidung und Wohnung ermöglichen kann, von Genußmitteln und Kulturgüterkonsum ganz zu schweigen.

Es regt mich einfach auf, daß ständig von unausgebildeten Arbeitskräften oder mangelnder Intelligenz und fehlendem Interesse an Weiterbildungsmaßnahmen der sogenannten Unterpriviligierten (junge und ältere Arbeitslose oder Unterbezahlte) gesprochen wird. Ich kenne genug Leute, die sehr gut ausgebildet sind, jede Menge Weiterbildung absolviert haben, die aber keine Anstellung bekommen weil sie zu alt, zu überqualifiziert oder sonst was sind. Einige von ihnen bekamen bei ihrer Bewerbung zu hören, daß sie zu teuer wären, weil sie ja nach tariflicher Vorschrift zu hoch eingestuft werden müßten.

Vielleicht gibt die derzeitige Arbeitsmarktsituation ja wirklich nicht mehr annehmbare Stellen her, um alle in Arbeit und Brot unterzubringen. Aber wenn es Mindestlöhne gäbe, könnte sich manch einer wieder mehr leisten ohne staatliche Hilfen, was wiederum zu mehr Stellenangeboten führen könnte. “Geiz ist geil” würde eingeschränkt durch individuellen und persönlichen Service und Beratung, was zwar mehr kostet, aber wozu die Kunden dann auch bereit wären zu zahlen, wenn sie denn könnten. An Preiserhöhungen sind wir Deutsche doch gewöhnt, siehe Mehrwertsteuererhöhung um 3 % , die nach kurzem Murren doch von jedem hingenommen wurde. Und was ist mit den stets vor und während der Feier- und Ferientage erhöhten Benzinpreisen? Da zuckt doch auch jeder mit der Schulter und - zahlt! Die meisten, weil sie es müssen und die anderen, die es ohne mit der Wimper zu zucken können.

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