“Brauchen Sie Hilfe?”
Da war ich doch konsterniert!
Gestern nach dem Einkaufen im Supermarkt wollte ich den leergeräumten Einkaufswagen nur noch schnell in die dafür vorgesehene Reihe eingliedern, meinen Pfandeuro wieder einstecken und schnell nach Hause fahren, damit das Eingefrorene nicht sofort antaut. Doch beim Einschieben des Wagens in den davorstehenden fiel mir auf, daß daran die Kette mit dem Schieber zum Verankern und Auslösen des Euros fehlte. Irgendein Scherzkeks hatte die Vorrichtung wohl (mit oder ohne Absicht) abgekniffen. “Ärgerlich!” dachte ich und überlegte, ob ich im Laden Bescheid geben damit der Einkaufswagen ausgesondert und repariert werden sollte. Andererseits war drinnen ziemlich viel Betrieb und im Augenblick würde doch nichts passieren. Außerdem würden die Mitarbeiter des Ladens das schon von selbst merken, wenn kein weiterer Wagen in diese Reihe geschoben wird, oder …?
Auf einmal stand ein junges, platinblondes, langhaariges Mädel mit pechschwarz umränderten mitleidsvollen Augen direkt neben mir, guckte mich mit herzzerreißendem Blick an und fragte:”Brauchen Sie Hilfe?” Da war ich doch perplex! Ich konterte:”Nein danke, nur einen Nippel zum Rausschieben meines Euros.”
Ich war wohl ein wenig zu barsch bei meiner Antwort. Das hilfreiche Mädel drehte sich ohne ein weiteres Wort um und verschwand in der Masse. Hoffentlich fühlte sie sich jetzt in ihrer guten Absicht und meiner ablehnenden Reaktion nicht verletzt. Vor vielen Jahren begegnete ich mal einem Mädchen, das auch so aussah und Schülerin einer Sozialpflegeschule mit dem Phänomen des überdurchschnittlich ausgeprägten Helfersyndroms war. War dies hier ihre Tochter?
Mich hat ihre Frage aber noch stundenlang beschäftigt. Was sollte mir das sagen? Habe ich wirlich so hilflos ausgesehen? Dabei war ich nur so in Gedanken versunken. Aber beruhigend bleibt, daß es noch Mitmenschen gibt, die ihre Umwelt aufmerksam beobachten.