Generation Herbst

Alltagsszenen ab 58 plus

Reisefieber - Irland 11

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Freizeit — Dora um 10:12 pm am Samstag, Januar 10, 2009

Montag 22.12.2008

Heute wollen wir beiden Frauen allein auf Shopping-Tour nach Wexford. Die Männer müssen zusehen, wie sie allein klarkommen und sich die Zeit ohne uns vertreiben. Mal sehen, ob wir nicht ein bißchen Geld in das irische Weihnachtsgeschäft investieren können.

So gegen die Mittagszeit kommen Maike und ich in Wexford an. Guten Mutes und voller Hoffnung ein paar nette Weihnachtsschnäppchen zu ergattern, machen wir uns auf in die Fußgängerzone. Hier befindet sich ein Geschäft neben dem anderen und wir lassen kaum eines aus, um nach hübschen Dingen oder Geschenken zu gucken. Eine dicke, warme Herrenjacke, die zu dem auch noch gut aussieht, kostet überall ein halbes Vermögen. Maike probiert in verschiedenen Schuhgeschäften Stiefel an, findet aber nirgends ein wirklich bequemes und schickes Paar. In einem Laden stoßen wir sogar auf einen total lustlosen Schuhverkäufer, der möglichst wegsieht, sobald ihn ein potentieller Kunde fragend anschaut. Sein Versuch, uns als Kunden schnellstens zu vergraulen ist deswegen auch alsbald von Erfolg gekrönt. In einem anderen Geschäft sticht uns eine niedliche Kinderjacke ins Auge, genau passend für Emil, die wir nach sorgfältiger Begutachtung gleich mit einem T-Shirt ergänzen und kaufen. In einem Haushaltswarenladen sucht Maike einen blauen Wasserkessel für den AGA-Cooker aus und besorgt sich ein Ofenthermometer, damit sie endlich herausfinden kann, welche Temperaturen die verschiedenen Ofenfächer haben. Ich kaufe noch einen Nußknacker, bei dem man sich - so glaube ich zumindest - nie mehr die Hand verletzen kann (wie mit dem herkömmlichen des öfteren geschehen).

Zwischen den diversen Shoppingstationen besuchen wir einen stark frequentierten Imbiß. Hier kann man sich die Zutaten für die gewünschte Mahlzeit selbst aussuchen und frisch zubereiten lassen. Da ich mich mit den vielfältigen, sorten- und mengenmäßigen Angeboten nicht so gut auskenne, gehe ich auf Nummer sicher und nehme ein Stück Kuchen und einen Becher Kaffee und beobachte, was Maike sich herrichten läßt. Es sind verschiedene Gemüse und Fleischteile, die in einen Teig gewickelt und kurz gebacken werden. Maike schmeckt es sehr gut, darum sage ich lieber nicht, was ich denke (der Teig erinnert mich stark an einen Lederlappen zum Fensterputzen). Ich hoffe flehentlich, dass Maike mir beim Lesen diesen Gedanken verzeiht.

Am Ende einer Straße sehen wir ein Schild mit der Aufschrift “Werners deutsche Bäckerei”. “Oh, prima!” glauben wir, hier bekommen wir bestimmt richtiges Schwarzbrot, so wie wir es von zu Hause in Norddeutschland kennen. Aber was soll ich sagen, auf einem Innenhof ist ein Marktstand aufgebaut und zwei deutsche Frauen wollen uns stinknormales Graubrot als Schwarzbrot überbraten! Wir versuchen, ihnen zu erklären was wir meinen und möchten, aber sie behaupten, sie kämen aus dem Osten und einer aus dem Norden (welchen?) hätte ihnen die Brotsorten so beschrieben und so wäre das auch ganz bestimmt richtig, das wüßten sie genau! Und dann fliegen uns Prozentzahlen von verschiedenen Getreidearten und Anteilen um die Ohren. Zum Schluß meinen sie, dass sie auch nicht täglich dort ständen und erst ab Februar regelmäßig mit ihren Backwaren vor Ort seien. Wir sollen doch jetzt ihr leckeres Brot kaufen. Was wir nicht tun, denn so geht man nicht mit Kunden um - meinen wir!

Es ist schon wieder spät und dunkel, eigentlich wollten wir um diese Zeit schon  zu Hause sein, aber wir müssen noch zu Tesco, einem Riesensupermarkt (vergleichlich etwa mit Famila), wo es nichts gibt, was es nicht gibt. Kurz nachdem wir hier im Laden sind klingelt das Handy:” Wo bleibt ihr denn?” Unsere Männer haben Sehnsucht. Aber wir brauchen noch etwas Zeit und versprechen ihnen, uns zu beeilen. Maike hat dann doch noch einige schöne Sachen für ihren Schatz gefunden und unter anderem den lang ersehnten Besenstiel mit Gewinde. Ich probiere noch kurz die vierte Variante eines nachgemachten Karnickels (Jacke) an, aber es zwängt mir die Arme absolut eng an den Körper und ich kann mich nicht mehr frei bewegen. Genauso wie bei den Muckijacken in den anderen Geschäften. Habe ich so dicke Arme oder die irischen Frauen spindeldürre ohne Gelenke? Paßt nicht, macht nix, wir müssen jetzt zurück zur Burg zu unseren verlassenen Männern und machen uns zügig auf den Weg.

Abends hat es etwas Leckeres bei Neville’s zum Essen gegeben. Wir haben es tatsächlich noch geschafft, vor Küchenschluß dort einzutreffen.

Reisefieber - Irland 10

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Freizeit — Dora um 9:05 pm am Sonntag, Januar 4, 2009

Sonntag 21.12.2008

Heute haben wir alle sehr lange geschlafen und erst recht spät gefrühstückt. Was soll´s, ist ja Sonntag und außerdem haben wir Urlaub.

Am frühen Nachmittag steigen wir vier ins Auto, weil die Kinder uns eine kleine Auswahl der Strände zeigen wollen, die hier massenhaft zu finden sind, schließlich leben sie auf einer kleinen Landzunge, die direkt ins Meer reicht.

Zuerst kommen wir an der Baginbun Bay an. Hier steigen wir aus, um ein paar Fotos zu machen:

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Ich bin angenehm überrascht von diesem herrlichen langen weißen Strand mit wenig Dünung aber grünen Hängen und kleinen Felsen. So idyllisch habe ich mir das nicht vorstellen können und ich glaube, im Sommer muß es hier wunderschön sein.

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Ein paar Steinchen und Muscheln landen in den Jackentaschen und weil es hier am Meer heute ziemlich frisch ist, steigen wir bald wieder ins Auto.

Weiter geht die Fahrt zur Carnivan Bay. Hier bietet sich uns ein total anderes Bild von Küste und Strand. Hohe felsige Wände steigen vom sandigen und felsbrockenübersäten Strand auf.

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Eine echt steife Brise läßt uns den Wind gehörig um die Ohren pfeifen. Die Brandung der irischen See schäumt, kocht und brodelt recht ordentlich.

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Wir stapfen mit hochgeschlagenem Mantelkragen und über die Ohren gezogenen Mützen durch den Sand,

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da spazieren zwei Surfer mit ihren Brettern in die tobenden Fluten,

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als wäre das zu dieser Jahreszeit, bei diesen Temperaturen und an dieser Stelle das Selbstverständlichste der Welt - unglaublich! “Sind wir solche Weicheier?” fragen wir uns, aber da sehen wir den dritten der Surfergruppe. Er hat es sich wohl lieber im wärmenden Kleinbus gemütlich gemacht. Wir vermuten, dass er der “Sicherheitsbeauftragte” dieser abgehärteten Clique ist. Und wir vier haben uns nach kurzer Fotozession dann auch lieber schnell in das wärmende und vor Wind schützende Blechmobil begeben und sind weiter gefahren Richtung Lofteshall.

Lofteshall ist ein herrschaftliches altes Gebäude, welches weitläufig absolut abgesperrt ist, weil dort wohl in der Vergangenheit viele  Schäden durch Randalierer enstanden sein sollen. Angeblich ist das zur Zeit leerstehende Gebäude verkauft worden und jetzt machen verschiedenste Gerüchte über die Zukunft von Lofteshall die Runde. Niemand weiß wirklich, was Sache ist, jeder vermutet etwas anderes. Wahr ist aber, dass es über die Historie von Lofteshall überlieferte, interessante und phantastische, zum Teil recht gruselige Geschichten gibt; u. a. warum es dort an ein- und derselben Stelle seit ewigen Zeiten reinregnet, obwohl zwischenzeitlich das Haus total abgerissen und neu wieder aufgebaut wurde. So viel verrate ich hier schon mal: der Teufel war leibhaftig in diesem Haus zu Gast und die Tochter des Hauses hat ihn beim Karten spielen enttarnt und dann … und nun spukt es hier heute noch!

Nicht sehr weit von Lofteshall entfernt steht der älteste heute noch aktiv funktionierende Leuchtturm der Welt? Europas? (In jedem Reiseführer steht es anders.) Hook Head, den wollen wir uns natürlich einmal aus der Nähe betrachten:

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Kurz vor dem Erreichen des Turmes warnen uns Hinweisschilder vor “Blow Holes” und einige Stellen der Straße und des Küstenstreifens sind voll mit Meerschaum. Das sieht lustig aus, so als wäre eine riesige Waschmaschine übergeschäumt und hätte lauter Seifenblasen über den grünen Grasteppich verteilt. Klar, dass wir auch hier fotografieren wollen. Am Klippenrand spüren wir den Wind bereits mächtig, obwohl wir noch im Auto sitzen. Also Jacken und Mäntel hochgeschlossen und Mützen und Kapuzen tief ins Gesicht gezogen un dann nichts wie raus und gegen den Sturm stemmen. Weil man aber stets die eigene Standfestigkeit gegen diesen starken Wind ausgleichen muß, findet man kaum eine ruhige Hand zum Abdrücken des Auslösers an der Kamera. Entweder habe ich jetzt den “schiefen” Hook Head oder das Bild ist total verwackelt. Wir werden sehen. Nach ein paar Fotoversuchen haben wir uns alle fix wieder ins Auto gerettet. Jetzt sind wir komplett durchgepustet und verfroren.

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Auf dem weiteren Weg Richtung Templetown entdecken wir ein einladendes Lokal “Templars Inn” und entschliessen uns kurzerhand hier einzukehren um uns mit heißer Schokolade wieder aufzuwärmen. Gesagt, getan! Das Gasthaus ist bis in den hintersten Winkel weihnachtlich geschmückt und sogar die Wirtin selbst trägt einen Pullover mit einem eingestrickten Weihnachtsmann. Das heiße Getränk und der flackernde wärmende Kamin lassen unsere Lebensgeister wieder munter werden, aber draußen beginnt es schon wieder zu dunkeln. Na ja, die Tage sind eben kurz im Dezember.

Nach dieser Aufwärmphase beschliessen wir wegen Tageslichtmangel die Heimreise anzutreten. Dort angekommen serviert Maike uns in kürzester Zeit ein leckeres Risotto mit schmackhaften Bratenfleisch, natürlich zubereitet auf und im AGA-Cooker. Köstlich! Es mundet uns allen wieder einmal vorzüglich.

Reisefieber - Irland 9

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Freizeit — Dora um 12:29 am am Freitag, Januar 2, 2009

Samstag 20.12.2008

So gegen Mittag scheint die Sonne wunderbar in die Burg, es ist windstill und sehr mild (11 Grad), so dass wir beiden “Touris” beschliessen, einen ordentlichen Spaziergang zu unternehmen. Wir zwei marschieren mutig und munter los und hoffen einen recht langen Rundweg um die Burg zu finden. Nach einer kurzen Strecke auf der Straße finden wir eine Abzweigung, hier verläuft eine wahrscheinlich überwiegend von landwirtschaftlichen Fahrzeugen und sehr wenigen Anliegern genutzte Straße (eher asphaltierter Weg); recht schmal mit den üblichen Begrenzungen, selbstverständlich ist hier kein! Bürgersteig vorhanden, dafür aber hin und wieder breite mit Gras bewachsene Bermen.

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Und tatsächlich müssen wir schon mal tief in die matschigen Graskanten hüpfen, wenn uns ein Fahrzeug (überwiegend große landwirtschaftliche Maschinen) entgegenkommt oder überholt. Die Fahrer bedanken sich jedes Mal für unser Ausweichmanöver und zwar ausnahmslos. Wir fragen uns, ob das bei uns zu Hause auch so wäre?

Unterwegs begegnet uns Claire, die uns wie alte Bekannte begrüßt und ins Gespräch verwickelt, Komplimente macht und ihre verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Verflechtungen erklärt. Sie fragt uns auch, ob wir denn gestern abend das Konzert besucht hätten und wie es uns gefallen hat. Auch wir geizen nicht mit freundlichen Worten und stellen fest, wie herzlich und offen die Menschen hier auf dem Land sind. Wohl möglich, dass es daran liegt, das Kontakte mit anderen in dieser dünn besiedelten Gegend nicht ununterbrochen stattfinden können. Die Leute wohnen ziemlich weit voneinander entfernt und rennen sich nicht gegenseitig die Türen ein oder beobachten sich von Fenster zu Fenster. Claire ist übrigens ein Mitglied der Pike-Singers und wir haben sie gestern abend beim Konzert im Chor schon wahrgenommen.

Der eingeschlagene Weg kommt uns endlos lang vor und wir überlegen schon, ob wir nicht wieder umkehren sollten. Doch irgendwie ist es auch schön hier und die vielen Biegungen machen einen immer wieder neugierig, was denn wohl hinter der nächsten Kurve zu sehen ist. Also gehen wir weiter und weiter. Vorbei geht es an unendlich vielen Weiden (ohne Schafe! aber zwei mal Pferde! ), Tannenschonungen und gepflügten Feldern bis - na endlich, nach über einer Stunde Fußmarsch - an eine Kreuzung. Hier biegen wir rechts ab (wegen der Orientierung) und was entdecken wir? Ein Häuschen im Grünen mit kleiner Windmühle im Vorgarten, Pinien und Palmen.

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Und am Ende dieses Weges gelangen wir wieder an die Straße, die zur Burg führt, nur jetzt von der anderen Seite. Übrigens ist die Burg quasi von hinten nicht ein einziges Mal zu sehen gewesen, weil sie von sehr hohen Bäumen umsäumt ist. Nur wenn man genau weiß wo sie verborgen ist, kann man die Dachzinnen aus der Ferne erahnen. An der Straße zur Burg sind wir artig rechts gelaufen (auch hier fehlt ein Bürgersteig) und nicht wie in Deutschland auf der linken Seite, um dem entgegenkommenden Verkehr besser ausweichen zu können. Auf dem letzten Ende der Strecke fragen wir einen Herrn vorsichtshalber nach dem rechten Weg, weil uns dieser Straßenabschnitt wenig bekannt vorkommt. Bisher sind wir hier nur in der Dunkelheit durchgefahren. Aber er versichert uns, dass wir die Burg in 400 yards erreichen und wünscht uns noch viel Vergnügen beim Weitergehen. Zu Hause wieder angekommen, staunen wir nicht schlecht, denn immerhin sind wir zweieinhalb Stunden unterwegs gewesen und unsere Kinder hatten uns schon auf die Vermisstenliste gesetzt.

Zum Abend habe ich mich wieder freiwillig zum Kochen an den AGA-Cooker gestellt und einen knusprigen Schinkenbraten gezaubert. Wie kann es bloß angehen, dass das Fleisch, in diesem Gerät zubereitet, so zart und saftig bleibt. Es gelingt mir ohne großartiges Zutun eine delikate schmackhafte Mahlzeit zu zaubern. Einfach toll so ein Cooker, er animiert einen förmlich zum Kochen und Backen.

Nach dem Abendessen haben wir den Tag gemütlich vor Kaminfeuer und bei Kerzenschein ausklingen lassen. Ach ja, der Tannenbaum ist heute Mittag geliefert worden. Unsere Schwiegertochter hat sich wirklich ein prächtiges Exemplar ausgesucht. Unser Sohn meinte, er würde den Baum hinten im rechten Winkel zurecht stutzen. So würde der Baum platzsparend in die Wohnzimmerecke passen und von vorn trotzdem wunderschön aussehen. Wozu hätte er sonst wohl die neue Säge gekauft?!

Reisefieber - Irland 8

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Freizeit — Dora um 6:25 pm am Mittwoch, Dezember 31, 2008

Freitag 19.12.2008

Dolores vom Blumenladen hatte uns ja am Dienstag den Tipp vom Basar in Ramsgrange gegeben. Heute vormittag fahren wir (Maike, Aldo und Dora) dort hin. Der winzige und übersichtliche Ort ist dank des Navis schnell gefunden, aber von einem Basar ist weit und breit nichts zu sehen, auch kein Hinweisschild. Eine junge Frau kann uns den Weg zum Ort des Geschehens aber erklären. Der Basar findet in einem kirchenähnlichen alten Gebäude, wahrscheinlich das Gemeindehaus, in einem kleinen Saal statt. Eine vor dem Eingang rauchende Person lädt uns gleich ein, doch einzutreten und den Basar zu besuchen. Die Angebote reichen von Weihnachtsgestecken bis zum aussortiertem Joop-Herren-Parfüm (vielleicht von jemandem gespendet, der den Duft nicht ausstehen kann, weil es ihn an seinen Konkurrenten erinnert?!). Es gibt selbstgebackenen Kuchen, Tee, Kaffee und sogar eine Lotterie. Der erste Preis ist ein riesiger Freßkorb. Wir kaufen artig drei Lose für fünf Euro und Maike trägt unsere Telefonnummern in eine Liste ein. Wir warten mal ab, ob wir wegen eines Gewinnes angerufen werden. Der gute Zweck war diese Spende schon wert. Die Veranstalter engagieren sich stark für die sozialen Angelegenheiten der ansässigen Bevölkerung. Nach einer Tasse Kaffee und einem Stück apple-pie mit viel Sahne unterhalten wir uns mit einigen anderen Besuchern und ich freue mich wie ein Stint, meine stümperhaften Englischbrocken anwenden zu dürfen. Ein Herr erzählt mir stolz, dass er fünf Söhne und drei Töchter hat und stellt mir seine Herzdame vor als ich mich gerade mit einer jungen Mutter unterhalte, die ihr zwölf Wochen altes Baby in den Kinderwagen legt. Auch Maike und Aldo sind in Gesprächen vertieft und wir haben alle drei überhaupt nicht das Gefühl, Fremde zu sein. Zum guten Schluß kauft Maike noch ein selbstgemachtes Kürbis-Chutney und einen weihnachtlich bebastelten Holzscheit und dann machen wir uns wieder auf den Weg nach Dungulph Castle.

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Zum Abend habe ich das erste Mal auf und in dem AGA-Cooker ein Essen zubereitet. Es gibt gebratene Hähnchen mit Bratkartoffeln und Pastinaken. Mmmh, sind die Flattertiere knusprig, saftig und lecker gebruzzelt. Es schmeckt uns allen prima.

Um 20.00 Uhr haben wir vier ein Konzert der Pike-Singers verbunden mit der Vorlesung der Weihnachtsgeschichte in der St. Mogue`s Church in Fethard on Sea besucht. Beim Eintreffen auf dem Parkplatz bin ich denn auch prompt in einen richtigen Fettnapf getreten. Ein weiterer Gast meinte zu mir beim Aussteigen aus dem Auto: “I hope, that you will not be disappointet!” Ich habe das nicht richtig verstanden und kann mit dem Wort disappointet nichts anfangen, will aber höflich sein und antworte: “Yes, I think so…”, und meine Kinder bekommen einen Lachkrampf. Total erschrocken frage ich die beiden nach der Bedeutung und sie erklären mir das - ei, wie blamabel und peinlich! Aber da muß man wohl durch, wenn man nur dürftige Englischkenntnisse vorweisen kann. Kopf hoch und weiter - üben, üben, üben und drüber stehen.

Die Kirche ist, wie bei uns zu Hause und überall auf der Welt zu Weihnachten, bis auf den letzten Platz besetzt, weil eben etwas besonderes geboten wird. Die Pastorin gibt zum Abschluß der Veranstaltung dann auch die obligatorische Bemerkung von sich, dass sie sich einen derartigen Andrang jeden Sonntag beim normalen Gottesdienst wünschen würde. Das Konzert hat uns gut gefallen, besonders beeindruckt sind wir von der Stimme der Solo Sängerin.

Nach dem Konzert sind alle Gäste eingeladen zu Tee, Kaffee und anderen Erfrischungen (sogar Coke gibt es hier), Kuchen und Schnittchen. Die ebenfalls anwesende Vermieterin unserer Kinder hat die beiden vielen Einheimischen vorgestellt, d. h. jetzt kennen die meisten Leute aus dem Dorf und der näheren Umgebung die neuen Bewohner von Dungulph Castle.

Bereits in der Kirche haben mein Mann und ich eine nette Unterhaltung mit einem Ehepaar, dass direkt vor uns sitzt. Miteinander haben wir festgestellt, dass überall auf der Welt die Hausfrau das Sagen hat, auch wenn der Mann die Hosen anhat. Soll heißen, ich habe meinen obigen Fettnapf gleich wieder verdrängt und munter drauf los geplappert. Und wenn es jetzt einen weiteren gegeben haben sollte, habe ich ihn wenigstens nicht bemerkt…

Reisefieber - Irland 7

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Freizeit — Dora um 5:11 pm am Dienstag, Dezember 30, 2008
Donnerstag 18.12.2008

Für heute Nachmittag haben die Kinder sich vorgenommen, uns ihre nähere Umgebung zu zeigen. Nach dem Essen geht die Fahrt los. Unterwegs halten wir noch einmal Ausschau, um einen anständigen Weihnachtsbaum zu finden. Den Kindern wird von einem Händler empfohlen, sich eine Tanne auf dem Feld selbst auszusuchen, die dann eigens für sie geschlagen wird. Unserem Sohn fällt ein, dass er noch eine Säge braucht, um den Tannenbaumstamm für den Ständer zurecht zu stutzen. Also halten wir erst einmal an einem Baumarkt an. Hier werden unter vielen anderen Werkzeugen, Geschirr, Küchengeräten und anderen Sachen auch eine moderne Art AGA-Cooker angeboten. Ich staune nicht schlecht über den Preis: weit über 10.000 Euro für einen einfachen nicht einmal originalen AGA-Cooker! Aber dafür sollen diese Cooker auch mehr als ein Leben lang funktionieren. Betrieben werden können diese Koch- und Heizgeräte mit jeder Energieart, sowohl mit Gas, Öl, Kohle, Holz oder auch Strom. Ich bin begeistert, aber in unseren heimischen Küchen wird sich so ein Gerät wohl nicht lohnen, weil es ganzjährig ununterbrochen beheizt wird. Vom Frühjahr bis zum Herbst würde das beim besten Willen zu viel Energiekosten bedeuten und viel Platz benötigt der Cooker ebenfalls. Wir nehmen also nur die Säge mit und verlassen das Geschäft.
Weiter geht die Fahrt durch die sanft hügelige Landschaft entlang an der Küste bis nach Tintern Abbey. Hier steigen wir aus, um ein paar Fotos zu machen (s. auch http://fethard-on-sea.com/?p=19). Im Frühjahr, Sommer und Herbst muß es hier einfach phantastisch sein.

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Tintern Abbey ist eine alte Klosterruine. In den Sommermonaten werden hier Führungen angeboten mit ausführlichen Informationen zur Historie des alten Gemäuers. Ein Spaziergang um das alte Kloster lohnt sich allemall, allein schon wegen der vielfältigen und wunderschönen Ausblicke über Täler und Hügel und entlang eines munter sprudelnden Flüßchens.

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Nach einem kleinen Rundgang um das Kloster fahren wir weiter nach Wexford. Eine hübsche Hafenstadt, direkt an der irischen See mit vielen alten Häusern aber auch sehr modernen Geschäften. Die Innenstadt und der Hafen sind weihnachtlich geschmückt. Wir landen natürlich direkt im Feierabendverkehr, es herrscht ein ziemliches Chaos auf den Straßen und wir kommen nur im Stop-and-Go-Tempo voran. Gegenüber des Hafens sticht uns der Name eines Restaurantes ins Auge. “The Potatoe Market”.

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Hier müßte mein lieber Mann doch bestimmt zu seinem Recht kommen, er ist nämlich ein sogenannter Kartoffelfreak!

Auch in Irland ist das Rauchverbot durchgesetzt worden und so rauchen wir draußen eine Zigarette, bevor wir das Lokal betreten. Selbstverständlich werfen wir unsere Kippen nicht einfach achtlos auf die Straße (das kann hier sehr sehr teuer sein), sondern entsorgen sie ordnungsgemäß in einen der vorgesehenen Behälter, die hier allenthalben an den Straßenrändern für Süchtige aufgestellt sind.

Aber von wegen große Auswahl an Kartoffelgerichten! Hier gibt es alles, was es woanders auch gibt, aber zum Leidwesen meines Gatten wenig Kartoffelangebote. Dafür bekommt er eine riesige Salatportion mit Unmengen von dicken Kartoffelbreikugeln, und wir Fisch- und Fleischvertilger kommen hier auch völlig zu unserem Recht, denn es wird nicht nur Lammfleisch angeboten. Die Zeit des Wartens auf die Speisen verkürzen wir uns dadurch, in dem wir mit dem freundlichen Kellner ein Ratespiel veranstalten. Ein hübscher, junger Mann, der nicht gerade wie ein typischer Ire aussieht, und der sich einen Spaß daraus macht, uns sein Herkunftsland erraten zu lassen. Zum Schluß malt er uns einige Dreiecke auf eine Serviette und freut sich, als wir Ägypten sagen.

Gut gestärkt begeben wir uns zu Fuß in die Innenstadt Wexfords. Die Fußgängerzone erreichen wir durch einen schmalen, engen und dunklen Durchgangstunnel. Schnell landen wir im Penneys Textildiscounter. Auf Anhieb finde ich einen schicken Pullover für meinen Lieblingsmann und für mich einen superkuscheligen Schlafanzug. Auch die Kinder stöbern quer durch das Geschäft und finden einige schöne Sachen für sich. Als wir aus dem Laden treten, sind wir alle vollgepackt mit Tüten und Taschen. Inzwischen ist es auch schon recht spät geworden und der Parkschein müßte abgelaufen sein. Einstimmig beschliessen wir, für heute erst einmal Schluß zu machen mit der Besichtigungstour, denn es ist auch schon stockdunkel so dass man von der Gegend sowieso nichts mehr sieht. Wir werden es uns heute abend auf der Burg gemütlich machen und vielleicht zusammen etwas spielen.

Reisefieber - Irland 6

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Freizeit — Dora um 8:54 pm am Montag, Dezember 29, 2008

Mittwoch 17.12.2008
Die Sonne blinzelt durch das Fenster und hat mich geweckt.

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Mit bester Laune stehe ich auf und serviere meinem Ehegesponst das Frühstück. Weil die Kinder gestern Nacht nach unserem gemütlichen Beisammensitzen weiter ihre Umzugskartons ausgeräumt haben, schlafen sie heute Morgen wohl etwas länger. Nach dem Frühstück gehen wir beide mit Fotoapparat gerüstet nach draußen um die Burg von außen und die nähere Umgebung genauer zu inspizieren. Es ist sehr mild, wohl um die zwölf Grad und im Sonnenschein werden wir sicher einige schöne Fotos machen können.

Wir staunen nicht schlecht, als wir verschiedenste tropischen Pflanzenarten (Palmen, Hibiscus, u. a. - ich bin da nicht unbedingt die botanische Fachfrau) zwischen heimischen Gewächsen entdecken können. Allein die Zufahrt zur Burg, eine schöne Allee, ist ungemein beeindruckend. Die Burg selbst steht so hübsch eingebettet in einem großen parkähnlichen Gelände, und ich bin etwas enttäuscht, weil ich meinen Eindruck und mein Empfinden so gar nicht auf ein Bild bannen kann. An das Grundstück angrenzend befindet sich hügeliges Weideland, eingezäunt durch bewachsene Wälle (das hatte mir der Mitreisende in der Bremer Abflughalle bereits vorausgesagt!), wo enorm viele Schafe grasen mit wollweißem Kuschelfell, schwarzen Köpfen und Hängeohren, schwarzen oder schmutzigen (?) dürren Beinchen und kurzem dicken Stummelschwanz (oder wie auch immer das Körperteil bei Schafen so genannt wird - von Zoologie verstehe ich eben auch nicht so viel). Alle Schafe haben ein himmelblau markiertes Hinterteil - was das wohl zu bedeuten hat?!

Auf dem hinteren Grundstück befinden sich einige Gebäude in der eine Rinderzucht untergebracht ist. Die sehen wir uns aber jetzt nicht genauer an. Dafür aber die alte Wassermühle, die ebenfalls zum Anwesen gehört und zur Zeit wohl restauriert und renoviert wird. Das Mühlrad sieht noch ganz intakt aus, wird aber zukünftig nur noch das Gebäude zieren und nicht mehr zur Erzeugung irgendwelcher Produkte angetrieben.

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Die alten Mühlsteine sind im Grenzwall des Weges eingestellt

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und ein Flüßchen plätschert munter am Gebäude vorbei. Es ist sehr idyllisch hier.

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Wir haben alles, was wir interessant und schön finden fotografiert, bis die Batterien der Kamera ihren Geist aufgeben. Schade, aber was nun kommt müssen wir uns eben gut einprägen. Aber vielleicht schaffen wir es ja, die Fotos an einem anderen Tag nachzuholen, wenn die Akkus wieder aufgeladen sind.

Den Nachmittag verbringen wir wieder mit Lesen, Schmökern und Karten spielen. Hier sind recht viele alte und m. E. auch wertvolle Bücher aus den letzten Jahrhunderten zu bestaunen, die aber nur mit äußerster Vorsicht berührt werden dürfen. Man muß befürchten, dass sie sonst zerfallen.

Abends hat unser Junior für uns alle ein leckeres Essen zubereitet und danach haben wir gemeinsam ein paar gemütliche Stunden vor dem Kaminfeuer verbracht.

Reisefieber - Irland 5

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Freizeit — Dora um 6:35 pm am Montag, Dezember 29, 2008

Dienstag 16.12.2008

Heute morgen haben wir erst einmal alle lange ausgeschlafen und entsprechend spät, dafür aber ausgiebig gefrühstückt. Diesen Tag wollen  wir es ruhig angehen lassen. Draußen nieselt es und das Wetter lädt nicht unbedingt zum Spazierengehen ein. Meine Schwiegertochter nimmt mich zum Einkaufen mit in den nächst gelegenen Ort, Fethard on Sea, und so habe ich den Supermarkt hier in der Nähe (”Londrey`s”) kennengelernt. Wir haben hier alle notwendigen Dinge für Haushalt und Verköstigung besorgt. Leider ist die Frischfleischtheke ziemlich leer gefegt wegen des derzeitigen Futtermittelskandales. Dioxin verseuchtes Fleisch kann natürlich niemandem angeboten werden. Wenn es überhaupt frisches Schweine- oder Rindfleisch gibt, ist das aus dem Ausland eingeführt. Aber Lammfleisch gibt es in Hülle und Fülle.

Nach dem Einkauf sehen wir noch nach einem passenden Tannenbaum für Weihnachten, aber leider finden wir hier keinen geeigneten, nur kleine breite oder lange Hungertannen. Auf der Rückfahrt zur Burg schauen wir bei Dolores im Blumenladen rein. Dolores hat keine Tannen im Angebot, dafür aber einen Tipp: in Saltmilles würden wir bestimmt den richtigen Baum finden. Gern nehmen wir ihren Rat an, ebenso ihren Hinweis, das am kommenden Freitag ein Weihnachtsbasar in Ramsgrange stattfindet. Wir kaufen ihr noch eine hübsche Topfblume ab, klönen noch ein bißchen mit ihr und fahren nach Hause.

Den Nachmittag verbringen wir auf der Burg. Die Kinder wühlen sich durch die restlichen unausgepackten Umzugskartons und wir beiden Alten vertreiben uns die Zeit mit Lesen und spielen Karten. Inzwischen regnet es heftig und der Wind pfeift ganz ordentlich um das Haus.

Am Abend wollen wir gemeinsam Essen gehen bei “Neville`s”, dem derzeitigen Stammrestaurant unserer Kinder. Leider hat Neville seinen Laden bereits geschlossen als wir dort ankommen. So fahren wir weiter nach Duncannon um uns an Barfood zu ergötzen. Auch hier ist die Essensauswahl durch die Futtermittelvergiftung stark eingeschränkt. So weichen wir aus auf Fisch, Lamm, Salat und Kartoffeln. Da Kartoffeln das Hauptgrundnahrungsmittel der Iren sind (ähnlich wie bei uns Friesen) bekommt man hier allenthalben massenhafte Kugeln aus Kartoffelbrei zu den Mahlzeiten serviert. Und was mich wundert ist, dass die Fenster der Restaurants mit Rollläden zugemacht sind, damit niemand von außen hineinsehen kann. So ist von draußen kaum erkennbar, ob ein Laden geöffnet oder geschlossen hat, man muß schon genau hinsehen und gucken ob irgendwo eine Tafel steht mit dem Hinweis “open” oder mit Speiseangeboten.

Und das erste original irisch eingeschenkte Guinness hat meinem Göttergatten köstlich geschmeckt.

Reisefieber - Irland 4

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Freizeit — Dora um 4:29 pm am Montag, Dezember 29, 2008

Montag 15.12.2008

Heute abend sind wir ja erst in der Dunkelheit auf der Burg eingetroffen. Nach der herzlichen Begrüßung hat unsere liebe Schwiegertochter uns allen eine leckere Mahlzeit serviert. Nach dem gemütlichen gemeinsamen Essen haben die Kinder uns durch die Burg und die zur Zeit genutzen Wohnräume geführt. Wir sind sehr beeindruckt von den liebevoll ausgestatteten Räumen und kommen aus dem Staunen und Bewundern nicht heraus. Jede Ecke und jeder Winkel des Hauses zeugt von der langen Geschichte der Burg, die tiefen Fensternischen und Schießscharten, die alten Türen, Vorhänge und Deckenverkleidungen, Wände, Treppen, Fußböden und Kamine sowie Möbel und andere Einrichtungsgegenstände sind sehr individuell und liebevoll gestaltet und abgestimmt auf das Alter der Burg. Jeder Raum hat sein eigenes Flair und strahlt eine behagliche Atmosphäre aus. Faszinierend finde ich den “AGA-Cooker” in der Küche. Das Riesenteil heizt Tag und Nacht, hat oben einen Heizplatz und eine Wärmeplatte und zwei riesige große Kochfelder, die mit hochstellbaren Deckeln versehen sind. Vor der großen Heizplatte verläuft eine Herdstange, wie bei den alten großen Küchenherden, die ich noch aus meiner Kindheit kenne. Hinter vier verschiedenen Ofenklappen befinden sich Backöfen mit verschiedenen Temperaturzonen, die zum Kochen, Backen, Braten und Warmhalten genutzt werden können. Ein höchst interessantes Küchen-, Koch- und Heizgerät. Ich bin begeistert.

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Nach der Besichtigungstour durch die Burg sitzen wir noch eine Weile bei Wein und Knabbersachen vor dem Kamin im Wohnzimmer und lassen es uns so richtig gutgehen. Es gibt so viel zu erzählen. Bis wir alle schlafen gehen ist es zwar schon ziemlich spät, dafür hatten wir aber einen wunderschönen und harmonischen Abend.

Reisefieber - Irland 3

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Freizeit, Mitmenschliches — Dora um 3:50 pm am Montag, Dezember 29, 2008

Montag - 15.12.2008

In der Wartehalle vor dem Abflug in Bremen habe ich einen älteren Herrn kennen gelernt, der mich fragte, warum wir denn im Urlaub ausgerechnet nach Dublin fliegen wollten. Es sei mit Abstand die häßlichste Stadt, die er je kennengelernt hätte. Seit circa drei Jahren wäre er regelmäßig dort und würde seiner neuen Arbeit nachgehen. Er verstände nicht, wie man sich ausgerechnet Irland anschauen möchte, wo es doch nur freilaufende Schafe, flaches, weites, grünes und einsames Land mit kaum abwechslungsreicher Vegetation und noch weniger Bevölkerung als Schafe gäbe. Er erzählte weiter, er sei seit fünf Jahren Rentner. Weil er sich zwei Jahre lang nur mit seiner Gattin herumgestritten hatte, denn seit dem Rentnerdasein hatte er keine sinnvolle Aufgabe für sich in seiner vielen Freizeit gefunden, hatte er sich einen neuen Job gesucht. Er betreut und unterstützt seitdem, überwiegend in Irland, aber auch in anderen Ländern, Mitarbeiter einer großen deutschen Prüffirma. Er hat, so wie er sagt, an verschiedensten Orten Europas eine Bleibe und kennt Länder und Leute. Er meinte auch, wenn wir Irland gesehen hätten, könnten wir uns Reisen nach Schottland und Australien ersparen. Überall wo die Engländer jemals das Zepter in der Hand gehabt hätten und sich in die Regierungen des jeweiligen Landes eingemischt hätten, sähe es gleich aus: nur von freilaufenden Schafen abgenagtes Land ohne Wald aber mit jeder Menge Abgrenzungen durch Steinwälle. - Na, der Mann jat uns ja richtig Mut gemacht! Aber als er weiter fragte, ob wir denn die ganze Zeit in Dublin verbringen wollten und wir ihm erzählten, dass wir die Kinder in Dungulph Castle besuchen möchten, mußte er zugeben, dass das die schönste und interessanteste Ecke der Insel sei.

Und in der Tat, wir finden die Gegend hier erstaunlich schön und sehr abwechslungsreich trotz Schafe, Hecken und Steinwällen.

Aber wir haben auch nicht so eine pessimistische Lebenseinstellung wie dieser Mensch.

Reisefieber - Irland 2

Abgelegt unter: Alle Beiträge, Freizeit — Dora um 2:06 pm am Montag, Dezember 29, 2008

Montag 15.12.2008

Wir fliegen heute von Bremen nach Dublin. Nachdem wir gemütlich gefrühstückt, die Mieze versorgt, Blumen gegossen und die letzten Sachen ins Handgepäck verstaut haben kommt unsere Tochter mit Enkel Emil um uns von zu Hause zum Flughafen nach Bremen zu kutschieren. So geht es für uns schon einmal bequem und unterhaltsam los. Emil ist ein wahrer Sonnenschein und sein herzhaftes Lachen steckt die gesamte Gesellschaft mit Heiterkeit an.

Nachdem wir überpünktlich in Bremen angekommen sind, haben wir Gelegenheit, gemeinsam noch einen Kaffee zu trinken und Emil bekommt seine Mittagsmahlzeit, die er ohne Murren und Theater restlos verputzt. Danach begleiten wir Mutter und Sohn noch zum Auto, verabschieden uns und winken, bis sie nicht mehr zu sehen sind.

Wir beiden Reisenden bewegen uns zum Check-in um die Koffer aufzugeben. Bei der Zollkontrolle werden wir ohne Beanstandungen durchleuchtet, wir haben vorher peinlichst darauf geachtet, keine “verbotenen Sachen” an uns zu tragen. Es piepst nichts und wir sind froh, dass alles glatt geht. Dann werde ich aber doch von einem Kontrolleur gebeten, meine Handtasche zu öffnen und die Feuerzeuge abzugeben. Eines pro Raucher darf im Handgepäck mitgeführt werden und so muß jetzt zwei abgeben und unterschreiben, dass ich freiwillig auf eine Herausgabe verzichte. Zu blöd, denke ich, hätte ich den Flieger denn damit in die Luft sprengen können?

Jetzt müssen wir durch die polizeiliche Paßkontrolle. Ich frage mich allmählich, warum wir bis hierher schon drei mal unsere Ausweise vorlegen müssen. Schließlich wollen wir nur von einem in ein anderes EU-Land. Kurz vor dem Abflug kommt ein Angestellter der Airline zur weiteren Paß- und Flugscheinkontrolle durch die Reihen der wartenden Fluggäste. Ich kann nur noch mit dem Kopf schütteln. Vor dem Einsteigen in den Flieger wird der Ausweis noch einmal eingesehen. Nun ist es aber genug mit Kontrolle - oder?

Wir sitzen endlich im Flieger und 25 Minuten nach der geplanten Abflugzeit hebt die Maschine vom Boden ab. Ein kleines Kind, das bereits stundenlang im Bremer Flughafengebäude laut geweint hat, beruhigt sich endlich nach einer halben Stunde Flugzeit. Etliche Passagiere fühlten sich durch das anhaltende Heulen erheblich genervt und konnten sich entsprechender Kommentare dazu nicht enthalten. Für die betroffenen Eltern ist die Situation bestimmt nicht einfach, zumal sie aus unmittelbarer Sitzplatzumgebung nicht gerade nette Worte vernehmen müssen, denn plötzlich wird der Flieger durch heftige Turbulenzen ordentlich durchgeschüttelt und das laute Brüllen des Kindes setzt wieder ein.

Eineinhalb Stunden Flugzeit mit Rückenwind und wir landen pünktlich in Dublin. Wieder müssen wir unseren Ausweis vorzeigen, um endgültig das OK zum Betreten irischen Bodens zu erhalten. Das ist dann auch tatsächlich für uns an diesem Tag die letzte Kontrolle. Wir sind doch sehr erstaunt, wie groß der Flughafen Dublin ist. Ich glaube, bis zur Kofferausgabe sind wir bestimmt vom hinteren Ende des Gebäudes aus mindestens eine viertel Stunde gelaufen. Als wir beim Band 5 ankommen, können wir schon kurz darauf unsere Koffer in Empfang nehmen und uns zum verabredeten Treffpunkt begeben, den wir mit unseren Gastgebern ausgemacht hatten. Wir brauchen uns dort auch nicht lange umzuschauen, da werden wir schon entdeckt und auf das herzlichste begrüßt von unserem Sohn. Ist das eine Freude!

Wir werden von unserem Sohn abgeholt und brauchen uns nicht um die Anreise zum Feriendomizil zu kümmern. Einfach toll! Aus Dublin mit dem Auto herauszukommen ist besonders während der Rush-hour ziemlich zeitaufwendig, weil derzeit das Autobahnnetz ausgebaut wird. Durch die vielen Baustellen und dem einsetzenden Feierabendverkehr kommen wir nicht gerade zügig voran. Für uns hat das aber den Vorteil, dass wir uns so einen ersten Eindruck von der Stadt im Lichterglanz und ganz besonders vom Linksverkehr verschaffen können, den wir anfangs doch als sehr gewöhnungsbedürftig betrachten. Wir fahren in Richtung Waterford und danach endet auch die Autobahn bzw. die gut ausgebaute und breite übersichtliche Straße. Ab hier fahren wir über ziemlich schmale Asphaltstraßen. Rechts und links am Straßenrand befinden sich überall hohe Hecken oder Steinwälle, im Dunkeln kann man das nicht so genau unterscheiden. Die Straßen sind teilweise so eng, dass man doch sehr vorsichtig fahren muß, um entgegenkommenden Fahrzeugen gebührend auszuweichen. Außerdem sind die Strecken hier gefühlsmäßig kurvenreicher als Serpentinen im Gebirge. Das hatte ich mir so nicht vorgestellt.

Nach circa zweieinhalb Stunden Fahrzeit sind wir am Ziel angekommen: Dungulph Castle,

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eine hübsche kleine alte Burg im Grünen, davor eine tolle Allee als Auffahrt und mit einer riesigen Gartenanlage, wo sogar Palmen wachsen. Unglaublich! Nachdem wir die Allee entlangfahren tritt nach einer Wegbiegung plötzlich diese Burg ins Blickfeld mit weihnachtlich geschmückten Fenstern und Dachzinnen zwischen den hohen alten Bäumen. Ein phantastischer Anblick. Wir kommen aus dem Staunen nicht wieder heraus. Unsere Schwiegertochter öffnet die Burgtür, umarmt und begrüßt uns herzlichst und bittet uns ins Haus. Ist das eine Freude! Jetzt kann der Urlaub wirklich beginnen.

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